Liegestütze für Anfänger

Die erste saubere Liegestütze scheitert selten am Willen. Sie scheitert daran, dass der Einstieg zu weit oben liegt. Wer direkt am Boden beginnt, arbeitet mit rund siebzig Prozent seines Körpergewichts, und das ist für viele schlicht zu viel.
Die Lösung ist kein größerer Kraftaufwand, sondern ein flacherer Winkel. Dieser Artikel zeigt dir sechs Stufen von der Wand bis zum Boden, mit klaren Wiederholungszielen pro Stufe, einem Achtwochenplan und den fünf Fehlern, die Anfänger am häufigsten ausbremsen.
Was sind Liegestütze?
Die Liegestütze ist eine Grundübung mit dem eigenen Körpergewicht. Aus dem Stütz mit gestreckten Armen beugst du kontrolliert die Ellbogen, senkst Brust und Hüfte gemeinsam bis knapp über den Boden und drückst dich wieder hoch.
Hauptsächlich arbeiten Brust, vordere Schulter und Trizeps. Rumpf und Gesäß halten die Körperlinie stabil und leisten dabei mehr Arbeit, als die meisten erwarten.
Anders als beim Bankdrücken veränderst du die Belastung nicht über Gewicht, sondern über den Winkel. Je steiler der Oberkörper steht, desto weniger Körpergewicht liegt auf den Armen. Genau deshalb sind erhöhte Varianten der richtige Einstieg und keine Notlösung.
Voraussetzungen
Der Artikel richtet sich an alle, die aktuell höchstens fünf saubere Liegestütze schaffen oder ganz am Anfang stehen. Nötig sind eine Wand, ein stabiler Tisch und eine niedrige Bank oder Couchkante.
Wer bereits zehn oder mehr saubere Wiederholungen beherrscht, ist hier unterfordert und arbeitet besser direkt an den schwereren Varianten weiter oben im Pfad.
Bei bestehenden Beschwerden an Schulter, Ellbogen oder Handgelenk gehört das Vorgehen vorab ärztlich abgeklärt.
Die Progression in sechs Stufen
Erfülle das Ziel einer Stufe in zwei aufeinanderfolgenden Einheiten mit sauberer Technik, bevor du wechselst. Drei Sätze pro Stufe, 60 bis 90 Sekunden Pause, drei Einheiten pro Woche.
Stufe 1: Liegestütze an der Wand
Stell dich etwa einen Meter vor eine Wand, Hände schulterbreit auf Schulterhöhe. Beug die Arme kontrolliert und bring die Brust Richtung Wand, ohne in der Hüfte abzuknicken. Dann vollständig zurückdrücken.
Der aufrechte Winkel überträgt nur einen kleinen Teil deines Gewichts auf die Arme. Genau das ist hier der Zweck: Du lernst Körperspannung und Bewegungsablauf, bevor Last dazukommt.
Ziel: 3 × 15 saubere Wiederholungen. Dauer meist ein bis zwei Wochen.
Stufe 2: Erhöhte Liegestütze an der Tischkante
Hände auf eine stabile Kante etwa auf Hüfthöhe, Füße flach am Boden, Körper in gerader Linie von Kopf bis Ferse. Senk die Brust bis kurz über die Kante und drück dich hoch.
Der Anteil deines Körpergewichts steigt spürbar. Achte besonders darauf, dass die Hüfte weder durchhängt noch nach oben ausweicht.
Ziel: 3 × 12 Wiederholungen. Diese Stufe entspricht dem erhöhten Liegestütz, der ersten Stufe im Liegestütz-Pfad.
Stufe 3: Erhöhte Liegestütze an einer niedrigen Bank
Gleiche Technik, nur mit einer Ablage auf etwa vierzig Zentimetern. Der flachere Winkel verlagert deutlich mehr Gewicht auf Brust, Schultern und Trizeps.
Sobald die Hüfte durchzusacken beginnt, beende den Satz lieber eine Wiederholung früher, statt die Linie aufzugeben.
Ziel: 3 × 10 Wiederholungen.
Stufe 4: Liegestütze auf den Knien
Knie auf einer weichen Unterlage, Füße gekreuzt, Hände schulterbreit am Boden. Schieb das Becken so weit nach vorn, dass Knie, Hüfte und Schultern eine gerade Linie bilden. Senk dich vollständig ab, bis die Brust knapp über dem Boden ist.
Diese Variante wirkt nur, wenn die Hüfte gestreckt bleibt. Knickt sie ab und das Gesäß steht nach hinten, arbeitest du mit deutlich weniger Gewicht als gedacht, und genau das ist der Grund, warum der Wechsel zum Boden später nicht gelingt.
Ziel: 3 × 12 Wiederholungen. Entspricht dem Liegestütz auf den Knien, der zweiten Stufe im Pfad.
Stufe 5: Negative Liegestütze
Start in der vollständigen Position mit gestreckten Armen. Senk dich über vier Sekunden kontrolliert ab und leg die Brust sanft auf. Anschließend die Knie aufsetzen und zurück in die Ausgangsposition.
Weil dein Körper abwärts mehr Last bewältigt als aufwärts, arbeitest du hier bereits mit vollem Gewicht. Das ist die wirksamste Brücke zur ersten vollständigen Wiederholung.
Ziel: 3 × 8 Wiederholungen mit vier Sekunden Abwärtsphase. Dauer ein bis drei Wochen.
Stufe 6: Der vollständige Liegestütz
Hände etwas breiter als schulterbreit, Füße geschlossen, Rumpf und Gesäß aktiv angespannt. Senk dich ab, bis die Oberarme mindestens parallel zum Boden sind, besser bis die Brust ihn fast berührt, und drück dich ohne Durchhängen hoch.
Beginn mit 3 × 8 und steigere pro Einheit um ein bis zwei Wiederholungen.
Ziel: 20 saubere Wiederholungen. Das ist der Zielwert der dritten Stufe im Liegestütz-Pfad und der Punkt, ab dem mehr Wiederholungen wenig bringen. Danach geht es weiter über den Diamant-Liegestütz und den Archer-Liegestütz.
Zeitrahmen: Von der Wand bis zur ersten vollständigen Serie vergehen bei den meisten acht bis zwölf Wochen. Bleibst du in einer Stufe hängen, verlängere sie um eine Woche, statt trotzdem zu wechseln.
Häufige Fehler
Durchhängende Hüfte
Der häufigste Fehler bei Einsteigern. Sackt die Hüfte ab, verschiebt sich die Belastung von Brust und Trizeps in die Lendenwirbelsäule.
Spann Gesäß und Bauch an, bevor du überhaupt mit der Bewegung beginnst, und halte diese Spannung über den ganzen Satz. Wer damit Schwierigkeiten hat, trainiert den Plank getrennt, bis sechzig Sekunden sauber stehen.
Ellbogen zu weit außen
Viele spreizen die Ellbogen fast im rechten Winkel ab, weil es sich kräftiger anfühlt. Genau diese Position erzeugt aber Druck auf die vordere Schulter und ist der häufigste Auslöser für Beschwerden beim Liegestütz.
Führ die Ellbogen stattdessen etwa fünfundvierzig Grad nach hinten außen. Von oben betrachtet bilden Arme und Rumpf eine Pfeilform, kein T.
Halbe Wiederholungen
Sie fühlen sich leichter an und trainieren genau den Bereich nicht, in dem die eigentliche Arbeit liegt. Senk mindestens so tief ab, dass die Oberarme parallel zum Boden sind.
Wenn der volle Weg zu schwer ist, geh eine Stufe zurück, statt die Bewegung zu verkürzen.
Zu schneller Stufenwechsel
Das typische Muster: Du schaffst sechs Wiederholungen, wechselst trotzdem, verlierst dort die Technik und stehst zwei Wochen später wieder am Anfang. Wechsle erst, wenn das Ziel in zwei aufeinanderfolgenden Einheiten sauber steht.
Kopfposition
Den Kopf in den Nacken zu legen oder das Kinn auf die Brust zu ziehen erzeugt unnötige Spannung im Nacken. Halte den Blick etwa dreißig Zentimeter vor den Händen auf dem Boden.
Achtwochenplan
Der Plan verteilt die sechs Stufen auf acht Wochen. Wenn du für eine Stufe länger brauchst, wiederhol die Woche, statt weiterzugehen.
| Woche | Einheit 1 | Einheit 2 | Einheit 3 | Ergänzung |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Wand 3 × 15 | Wand 3 × 15 | Wand 3 × 15 | Plank 2 × 30 Sek. |
| 2 | Tisch 3 × 12 | Tisch 3 × 12 | Tisch 3 × 12 | Hüftheben 3 × 12 |
| 3 | Bank 3 × 10 | Bank 3 × 10 | Bank 3 × 10 | Superman 3 × 20 |
| 4 | Knie 3 × 12 | Knie 3 × 12 | Knie 3 × 12 | Seitstütz 3 × 30 Sek. |
| 5 | Negative 3 × 8 | Negative 3 × 8 | Negative 3 × 8 | Trizepsdips am Stuhl 3 × 15 |
| 6 | Standard 3 × 5 | Standard 3 × 6 | Standard 3 × 8 | Hollow Body Hold 2 × max. |
| 7 | Standard 3 × 10 | Standard 3 × 11 | Standard 3 × 12 | Rückenstrecker 3 × 15 |
| 8 | Standard 3 × 15 | Standard 3 × 15 | Standard 3 × 15 | Test: ein Satz bis zum Limit |
Die Ergänzungsübungen kräftigen Rumpf und Rücken und sind kein Beiwerk. Ein reines Drückprogramm ohne Gegengewicht führt mittelfristig zu Schulterproblemen.
FAQ
Wie oft pro Woche sollte ich trainieren?
Drei Einheiten sind für Einsteiger ideal. Sie setzen genug Reiz und lassen ausreichend Erholung. Wer sich gut erholt fühlt, kann eine vierte Einheit mit geringerem Umfang ergänzen. Wichtiger als die Anzahl ist die Regelmäßigkeit über mehrere Wochen.
Kann ich täglich üben?
Als Anfänger besser nicht. Die beanspruchte Muskulatur braucht rund achtundvierzig Stunden. Tägliches Training erhöht das Risiko für Überlastung und schleichende Technikfehler. Kurze Technikdrills ohne Anstrengung, etwa ein paar Wandliegestütze für das Körpergefühl, sind an freien Tagen unproblematisch.
Was tun bei Handgelenksschmerzen?
Arbeite mit erhöhten Varianten, dort ist der Winkel im Handgelenk kleiner. Liegestützgriffe oder Liegestütze auf den Fäusten stellen das Gelenk gerade und entlasten deutlich. Bau außerdem Handgelenkskreisen und sanftes Dehnen ins Aufwärmen ein. Halten die Beschwerden an, lass sie abklären.
Sollte ich Zusatzgewicht verwenden?
Als Anfänger nicht. Und auch danach ist ein Rucksack selten der beste nächste Schritt. Ab zwanzig sauberen Wiederholungen bringt eine schwerere Variante mehr als mehr Gewicht, etwa der Diamant-Liegestütz oder Liegestütze mit erhöhten Füßen.
Wie baue ich das in ein Ganzkörperprogramm ein?
Kombinier die Drückübungen mit Zugübungen wie Ruderzügen und mit Beinübungen wie Kniebeugen. Ein bewährtes Schema: Montag drücken, Mittwoch ziehen, Freitag Beine und Rumpf. Eine detaillierte Übersicht findest du in unserem Guide.
Was, wenn nach vier Wochen noch keine vollständige Wiederholung gelingt?
Das ist normal und kein Rückschritt. Bleib eine weitere Woche bei den negativen Wiederholungen und verlängere die Abwärtsphase auf fünf bis sechs Sekunden. Ergänze täglich einen kurzen Plank. Die meisten schaffen den Sprung innerhalb von acht bis zwölf Wochen, wenn die Technik stimmt.
Fazit
Liegestütze brauchen kein Gerät und keinen Platz, nur eine sinnvolle Reihenfolge. Wer am Boden anfängt, obwohl der Winkel noch zu schwer ist, sammelt Frust statt Fortschritt.
Drei Dinge entscheiden: saubere Technik in jeder Wiederholung, das Wiederholungsziel vor dem Stufenwechsel und ausreichend Erholung dazwischen. Mit diesen drei Punkten liegt die erste vollständige Serie meist nach acht bis zwölf Wochen im Bereich des Möglichen.
Schreib jede Einheit auf, auch kurz in einer Notiz. Zahlen motivieren zuverlässiger als Erinnerungen. Und wenn du in einer Stufe stehen bleibst, geh einen Schritt zurück statt weiter. Das ist kein Rückschritt, sondern ein Werkzeug.
Ab zwanzig sauberen Wiederholungen öffnet sich der Weg zu Diamant-, Archer- und schließlich einarmigen Liegestützen.





